Den richtigen ETF suchen und finden

In den letzten Beiträgen haben wir nun schon erfahren was ein ETF ist und welche Anlage- und Risikoklassen für jeden individuell die Besten sind.

Heute möchte ich mit dir zusammen in die Praxis übergehen und zeigen, wie ich den passenden ETF aus dieser schier riesigen Auswahl nun genau finde, nach welchen Kennzahlen ich ihn auswähle und auf welche wichtigen Kleinigkeiten ich unbedingt achte!

Am Anfang müssen wir uns für eine Anlageklasse entscheiden, worauf wir unseren Fokus legen wollen. Zu den verschiedenen Anlageklassen haben wir schon mehr gelernt. Dazu zählen z.B. Aktien, Anleihen oder auch Rohstoffe.

Als Nächstes müssen wir uns für einen passenden Index entscheiden. Entweder wir nutzen eine breit gestreute Auswahl über alle Branchen und Länder hinweg, oder wir legen gezielt unseren Fokus auf eines davon.

Zum Schluss kommt dann noch der Feinschliff, wo wir noch einmal gezielt für unseren langfristigen Erfolg den Grundstein legen können. Dort treffen wir die Entscheidung über z.B. die Fondsgröße, das Fondsalter, die Replikationsart, die Kostenquote usw. Warum das ganz besonders wichtig ist, zeige ich dir später.

Wir müssen nun nicht über Google uns in Kleinstarbeit den passenden Indexfonds suchen. Dafür gibt es spezielle Suchmasken. Eine davon, welche ich persönlich auch öfter nutze ist die von justETF. Diese kannst du kostenlos nutzen und bietet uns schon einen guten Überblick.

Wir gehen nun davon aus, dass wir einen aktienbasierten Indexfonds in Risikoklasse 3 suchen, welchen wir für die Altersvorsorge nutzen wollen. Unser Ziel ist es, nicht ständig die Finanznachrichten verfolgen zu müssen und das Risiko von einzelnen Branchen oder Ländern gering zu halten.

Hierzu wählen wir „Aktien“ aus. Somit haben wir nun eine Auswahl von 1.000 verschiedenen Indexfonds.

ETF Auswahl Aktien
ETF Auswahl Aktien Quelle: justetf.com/de

Da dies noch immer schier unüberblickbar ist, werden wir nun unsere Suche etwas eingrenzen. Am Anfang ist es sinnvoll, die ETF Auswahl über die Fondsgröße einzugrenzen. Hierbei sollte das Gesamtvolumen über 100 Millionen Euro sein. Denn eine Fondsgesellschaft möchte die Wirtschaftlichkeit eines Indexfonds gewährleisten. Wenn das Gesamtvolumen des investierten Kapitals zu niedrig ist, besteht immer die Gefahr, dass die Fondsgesellschaft den ETF einstellt und das eingezahlte Kapital den Anlegern wieder zurückbezahlt.

Da wir aber langfristig unser Geld anlegen wollen, wäre so ein Ereignis nicht optimal. Nachdem wir uns für ein Volumen ab 100 Millionen Euro entschieden haben, hat sich die Anzahl schon einmal halbiert.

Fondsgröße eingrenzen Quelle: justetf.com/de

Als Nächstes müssen wir die Entscheidung treffen, ob unser ETF thesaurierend ist, oder regelmäßig Geld ausschüttet.

Wie soll ich mich hierbei genau entscheiden? Nun ja, es kommt darauf an, wie hoch mein Sparbeitrag ist, oder ob ich eine einmalige hohe Summe investieren möchte.

Nehmen wir einmal an, ich investiere jeden Monat 50€ in einen ETF, um langfristig über viele Jahre hinweg meine Altersvorsorge aufzubauen. Hierbei wird es vermutlich mein Ziel sein, am Ende der Sparfrist bzw. zu Beginn meiner Rente, so viel Kapital wie möglich aufgebaut zu haben. Hierbei ist es nun sinnvoller, anfallende Dividenden im ETF zu lassen, damit diese sich mithilfe des Zinseszinseffekts weiter in eine höhere Endsumme aufbauen können.

Hiermit wähle ich unter „Ausschüttung“ somit thesaurierend aus. Damit verbleiben die Dividenden direkt im Fonds und werden wieder in diesen angelegt.

Unter „Ausschüttung“ Thesaurierend wählen Quelle: justetf.com/de

Wenn ich nun jedoch darauf Wert lege, regelmäßige und automatische Ausschüttungen zu erhalten, ist ein ETF, welcher Dividenden ausschüttet sinnvoller. Die Ausschüttungshöhe und Häufigkeit, kann im jeweiligen Profil genau eingesehen werden.

Wenn nun jedoch regelmäßig über einen langen Zeitraum immer wieder Ausschüttungen stattfinden, die dann nicht wieder investiert, sondern verkonsumiert werden, wird sich die am Ende der Sparzeit auf die Höhe der Gesamtsumme auswirken.

Sollte ich nun nicht auf regelmäßige Auszahlungen angewiesen sein, würde ich mich für einen thesaurierenden ETF entscheiden. Wenn ich gleich eine sehr hohe Summe als Einmalanlage investiere, um davon quasi durch die Auszahlungen meinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ist ein ausschüttender Indexfonds für mich passender.

Ich entscheide mich nun für einen thesaurierenden ETF.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist das Fondsalter. Denn nur wenn ich ausreichend Daten über den gesuchten Indexfonds einsehen kann, kann ich eine fundierte Entscheidung treffen. Somit sollte der ETF mindestens ein Jahr alt sein. Ich investierte jedoch nur in solche, welche mindestens 3 Jahre alt sind.

Als letztes Auswahlkriterium wähle ich noch dich richtige Replikationsart für mich aus.

Die Replikationsart bestimmt, wie der Index nachgebildet wird. Hierzu unterscheiden wir grundsätzlich zwischen der physischen Methode und der synthetischen.

Die klassische Replikation ist die physische. Hält der ETF die in ihm enthaltenen Wertpapiere genauso eins zu eins, spricht man von einer vollständigen Nachbildung. Als Beispiel nehmen wir den DAX. Bei einer vollständigen Replikation, investieren wir in einen ETF auf den deutschen Aktienindex. Die Fondsgesellschaft kauft dafür wiederum Wertpapiere aller dieser 30 darin enthaltenen Unternehmen.

Wenn jedoch nun ein Indexfonds in über 1.000 verschiedene Wertpapiere investiert, stößt diese Methode an ihre Grenzen. So wird die physische Replikation auch noch in die Sampling Methode unterteilt.

So werden computerunterstützte Optimierungsverfahren angewandt, um unter bestimmten Kriterien gesetzt, nur die wichtigsten für die Gesamtperformance entscheidenden Wertpapiere herauszufiltern und nur diese zu kaufen.

Das Wichtigste bei beiden physischen Methoden ist jedoch, dass die Wertpapiere laut Investition wirklich gekauft werden.

Die zweite Methode wird synthetische Replikation genannt. Hierbei erfolgt die Indexnachbildung durch ein Tauschgeschäft. Auch Swap genannt. Hierbei schließt der ETF Anbieter mit einem anderen Finanzinstitut einen Vertrag. Dabei verpflichtet sich das Finanzinstitut gegen eine Gebühr, welche der ETF entrichtet, die Rendite des ETF sozusagen zu liefern.

Vor allem neue und kleinere Märkte, oder solche die illiquide sind können gut mit synthetischen Replikationen nachgebildet werden. Das Risiko hierbei ist jedoch, dass das Finanzinstitut in Schieflage gerät und diese geforderte Rendite nicht mehr liefern kann.

Somit investiere ich nur in physisch nachgebildete ETFs. Sprich in vollständig und sampling basierte Indexfonds.

ETF Auswahl nach den genannten Kriterien Quelle: justetf.com/de

Nun haben wir schon eine sehr gute Eingrenzung vorgenommen und nicht passende Anlagen ausgeschlossen.

Rufen wir unser Anlageziel noch einmal ins Gedächtnis. In unserem Beispiel möchten wir in Risikoklasse 3 für unsere Altersvorsorge investieren.

Das bedeutet, die Fondswährung ist uns nicht so wichtig, da wir über 10 Jahre investiert sein werden und nur die großen Währungen infrage kommen. Außerdem soll unser ETF breit gestreut sein.

Ich sortiere nun die Auswahl nach der Fondsgröße. Nun kann ich mir nach und nach alle ETFs genauer ansehen.

Als Beispiel nehmen wir nun den iShares MSCI World. In der Beschreibung sehen wir nun, dass dieser Indexfonds breit gestreut in die ganze Welt unser Kapital anlegt. Es werden rund 1.600 verschiedene Unternehmen über verschiedene Branchen und Länder hinweg abgedeckt.

Beschreibung des MSCI World ETFs Quelle: justetf.com/de

Die Dividendenerträge werden thesaurierend behandelt und somit direkt wieder in diesen ETF investiert. Somit wird unsere Endsumme am Ende der Ansparzeit höher sein, als wenn wir diesen selben Indexfonds mit einer Ausschüttung wählen und diese verkonsumieren würden.

Des Weiteren sehen wir noch, dass dieser ETF nach dem physischen Sampling Verfahren nachgebildet wird und der Fonds seit über 5 Jahren investierbar ist.

Mit über 25 Milliarden Euro investiertes Kapital, ist er auch groß genug, um auch noch in vielen Jahren wirtschaftlich für den Anbieter zu sein.

Die Gesamtkostenquote liegt mit 0,2% pro Jahr an Gebühren zudem sehr niedrig.

Spiele dich einfach etwas mit der Suchfunktion und schaue dir verschiedene ETFs an, um einen Überblick zu bekommen. Nur weil ich den MSCI World eben ausgewählt habe, bedeutet das nicht, dass dieser auch für dich der passende sein muss. Ich werde aber in Zukunft immer mal wieder einzelne ETFs auswählen, diese erklären und in seine Bestandteile zerlegen.

Disclaimer Die von mir in diesem Text getätigten Aussagen spiegeln ganz alleine meine Meinung wider. Es ist keine Aufforderung, die in diesem Text beschriebenen Tipps und Vorschläge auch so für dich in die Tat umzusetzen. Beachte, dass Anlagen in Aktien, ETF und Derivate riskant sind und im schlimmsten Fall zum Totalverlust führen können. Auch ich kann keine Prognose über zukünftige Verläufe treffen. Die von mir verfassten Texte und Aussagen dienen rein der Information und Weiterbildung. Links, welche mit einem* gegenzeichnet sind, sind sogenannte Affiliatelinks. Wenn du über diese Links ein Produkt oder eine Dienstleistung in Anspruch nimmst, erhalte ich eine Vergütung. Für dich bedeutet dies keine Mehrkosten. Ich empfehle zudem nur Produkte, von denen ich selber überzeugt bin und diese auch persönlich nutze.